Die Spreu und das Weizen im Influencer Marketing

Die Spreu und das Weizen im Influencer Marketing

von Anna Benz-Reichenauer

 

Was haben wir Blogger in den letzten Jahren kämpfen müssen: Für unsere Glaubwürdigkeit, für das Bloggen als Beruf und gegen all die abwertenden Kommentare. 

„Influencer? Das ist doch diese Krankheit. Bist Du auch ansteckend?“

Ach, was haben wir gelacht! Wir haben uns selbst kleingeredet und unseren Blog, also auch unsere Arbeit, gleich mit. Die nicht bloggenden Freunde haben uns aufgezogen „Na, wie läuft der Blog?“ und „Hast Du das auch zugeschickt bekommen?“ Dabei standen wir nur stumm daneben und haben ganz verstohlen auf den Boden geschaut. Während wir uns nächtelang YouTube-Tutorials reingezogen haben wie man das blöde WordPress Plugin nun richtig installiert, hat unser Umfeld nur müde gelächelt.

Als sich die ersten Blogger mit ihrem Blog selbständig machten, mussten sie noch Monate später ihrem Umfeld erklären wie um alles in der Welt man mit solch einem Hobby Geld verdienen kann.

Wie geht das? Für das bisschen Bloggen? Geld für ein (!) Foto auf Instagram? Ernsthaft?

Irgendwann verstummten die Kritiker und Skeptiker. Wir wähnten uns in Sicherheit und fühlten uns endlich anerkannt. Nur um dann festzustellen, dass genau diese Menschen ihre eigenen Instagram Kanäle gestartet haben und mehr oder weniger erfolgreich erste Kooperationen eingegangen waren. Nun gerieten wir wiederholt in die Schusslinie. Dieses Mal weil all diese Menschen merkten, dass es nun doch nicht ganz so einfach war für ein Instagram Bild mal eben 100 Euro (und mehr, sehr viel mehr) zu kassieren. Nicht mit 13 Followern und nicht mit dem Familien-Content. Hmmm, wohl doch nicht so einfach dieses „Bloggen“?

Es dauerte Jahre bis wir Fotos von uns Bloggern in Zeitschriften entdeckten – einige wenige von uns sogar auf dem Cover. Viele, sehr, sehr viele Stunden vor dem Laptop gipfelten in Einladungen zu coolen Events, für manche sogar als Speaker. Einige brachten ihre Bücher heraus, andere kooperierten langfristig mit richtig coolen Marken, die sie sich zuvor nicht einmal leisten konnten.

Wir waren angekommen.

Angekommen in einer Welt, die uns erst nicht ernstnahm und später nicht haben wollte. Wir sollten uns einen richtigen Job suchen – dieser Aufruf einer der weltweit bekanntesten Printmedien im Fashion-Bereich ist noch gar nicht so lange her.

Aber wir blieben dran. Zumindest einige von uns…

2018 trennt sich die Spreu vom Weizen

Das mit dem Bloggen ist einbißchen wie mit den Tattoos: Abgesehen vom Arschgeweih und missverstandenen chinesischen Zeichen waren Tattoos bis vor ein paar Jahren noch etwas Besonderes. Man war „anders“ wenn man eins hatte. Heute ist es genau umgekehrt. Man kann sich nur noch abheben, wenn man eben keins hat.

Same same mit Blogs

Wer heute keinen Blog (respektive YouTube Kanal, Instagram Account oder tumblr) führt, gilt schon als ein kleiner Sonderling (no offence). Und dennoch stelle ich mal eine provokante These auf: Es gibt zu wenig Blogs. Viel zu wenig! Auch wenn der Eindruck manchmal täuschen mag und sich jeder nur noch als „Content Creator“ tituliert: Die meisten sind nach wie vor Konsumenten oder posten ihren morgendlichen Kaffee. Und jetzt liebe Blogger, kurz weghören, bevor es euch vom Stuhl haut: UNBEARBEITET! Diese Menschen kennen keine VSCO-Filter und sind auch mit Lightroom Presets nicht vertraut. Iiiiiiiiihhhh!

Aber keine Sorge, heutzutage gibt es auf so gut wie jedem Blog eine Rubrik mit dem Namen „Blogging Tipps“. Die performen richtig, richtig gut und sorgen dafür, dass der Nachschub nie abebbt.

Yes, Du kannst auch heute noch erfolgreich sein 

Und ja, Du hast richtig gelesen: Du kannst auch heute noch mit dem Bloggen starten und erfolgreich sein. Denn hier kommt das bestgehütete Geheimnis: Auch bei den Blogs gilt das einfache Markt-Prinzip Angebot und Nachfrage. Es wird immer Menschen geben, die Du mit Deinem Angebot, also Deinem Blog begeistern kannst. Natürlich haut heute guter Content niemanden mehr vom Stuhl. Hochwertige Bilder, inspirierende Texte mit Mehrwert gibt es bereits zu Hauf. Was fällt Dir also Neues ein? Warum sollte man genau Deinen Content konsumieren?

Erinnerst Du Dich noch an die Spreu und das Weizen? Jetzt ist genau diese Zeit gekommen!

Die Goldgräberstimmung ist vorbei. Einfach mal eine Visitenkarten mit dem Titel „Blogger“ bestellen und darauf vertrauen, dass die Kooperationen schon noch bei Dir eintrudeln werden, wird  in 2018 leider nicht mehr funktionieren. Wobei… Probier es doch mal auf einer dieser Plattformen. Dort kannst Du jederzeit für ein Taschenbuch im Wert von 9,90 EUR an die 500 Wörter in Dein teures MacBook hauen und „darfst“ den Text auch noch 3x optimieren. Na? Klingt das gut oder klingt das gut? Hast Du nicht genau dafür jahrelang studiert und Dir alles im Online-Bereich selbst beigebracht?

Aber jetzt im ernst. Lass Dich von der Vielzahl an Blogs nicht verunsichern. Auch Instagram Accounts gibt es wie Sand am Meer. Na und? Genauso viele Konsumenten gibt es auch. Haha, nein, Spaß! Es gibt natürlich sehr viel mehr Konsumenten – vergiss das nicht.

Blogger und Influencer werden 2018 nicht drumherum kommen sich zu professionalisieren. Das heißt jedoch nicht, dass sie deshalb aussterben werden oder sich nach anderen, „richtigen“ Jobs umschauen müssen. Das Bloggen und Content produzieren verändert sich. So what? Die Berufswelt, die Mode und Deine Freunde tun es auch. Alles verändert sich und auch diese vermeintlich neue Form des Marketings gleich mit. Sieh es als Chance, nicht als Bedrohung.

Wir haben die DSGVO überlebt

Und solltest Du Deinen Blog heute, also nach der DSGVO-Debatte immer noch haben, darfst Du Dich einbißchen wie ein Dinosaurier, der die Eiszeit überlebt hat, fühlen. Im ernst! Was hatten wir alle nicht für eine Heidenangst vor dem 25. Mai. Oh ja, dieses Datum! Immerhin hat es zahlreiche Blogger und Influenzier, Shop- und Webseitenbetreiber dazu bewegt ihr Business aufzugeben. Aber Du bist noch da und dafür darfst Du Dich feiern!

Ja, es wird weiterhin ungemütlich bleiben. Wir werden weiterhin gegen den Kennzeichnungsirrsinn kämpfen, der uns vorschreibt Karo-Muster als „Anzeige“ zu markieren und den Fotografen-Freund gleich mit.

Wir werden uns weiterhin ärgern, wenn wir Anfragen, die mit „Hey Du“ oder „Hallo liebe Steffi“ beginnen, während in Deinem Ausweis Maria als Vorname vermerkt ist. Wir werden weiterhin um Aufträge kämpfen und zahlreiche Hotels (auch außerhalb Dublins) anschreiben und nach einer Zusammenarbeit fragen.

Aber wir werden auch nicht aufhören für unseren Job zu kämpfen, Stars und Sternchen als Testimonials großer Marken zu verdrängen, von den TV-Bildschirmen zu lächeln und auch von Litfaßsäulen in den Großstädten dieser Welt. Wir werden auch in 2018 und darüber hinaus auf der Suche nach dem perfekten Feed sein, unsere Instagram Husbands für Foto-Aufnahmen einspannen und unsere MediaKits professionalisieren.

In 2018 werden wir wohl etwas seltener die xx-Uhr in die Kamera halten und an unserem xx-Tea nippen, denn diese Bilder hat die Welt nun zugenüge gesehen. Stattdessen müssen wir uns immer mehr zu professionellen Full-Service Dienstleistern der Online-Welt entwickeln oder zumindest mit solchen zusammenarbeiten.

Und wir werden auch stoisch den x-ten Influenza-Witz weglächeln. Für unsere Glaubwürdigkeit, für das Bloggen als Beruf und gegen all die abwertenden Kommentare.

Robert und ich stehen euch dabei beratend zur Seite – wie ihr das schon von den BloggerBUREAU Events der vergangenen Jahre kennt. Wir freuen uns auf die Zukunft des Influencer Marketing – sprich das Hier und Jetzt, denn die Zukunft, die hat bereits begonnen.

Mehr von Anna gibt es hier und hier.

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3 Comments

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BloggerBUREAU Consulting | BUREAUStylereply
26. August 2018 at 20:29

[…] ganze Text ist zuerst hier […]

Florianreply
1. September 2018 at 12:22

Ich stimme in eigentlich allen Punkten zu.
Aber: Blogger und Influencer sind keine Synonyme. Social Networks und Blogs sind unterschiedliche Kanäle mit anderen Inhalten, Zielgruppen und Vermarktungs-Möglichkeiten.
Als reiner Blogger nervt es mich, wenn jeder mit nem Instagram-Account meint er wäre jetzt Blogger. Ich behaupte ja auch nicht Journalist zu sein, obwohl ich gar nicht für ne Zeitung schreibe…

Anna Benz-Reichenauerreply
5. September 2018 at 17:44
– In reply to: Florian

Hey Florian! Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich verstehe sehr gut was Du meinst. Tatsächlich habe ich lange Zeit genauso gedacht. Seit ich mich jedoch globaler mit Influencer Marketing beschäftige, stelle ich fest, dass es diese „Grenzen“ gefühlt nur hier in Deutschland gibt. Tatsächlich gibt es in vielen Sprachen gar keinen Begriff für einen Blog. Ein Instagram-Account und ein Blog (also eine Webseite) werden als Synonyme verwendet und es hat lange gedauert bis ich mich daran gewöhnen konnte. Zudem hat es zu vielen Missverständnissen geführt… Darüber halte ich im September einen Vortrag, der anschließend auch als Video zur Verfügung gestellt wird. Schau hier gerne nochmal vorbei! Ich werde hier einen Link zu meinem Case veröffentlichen. Viele Grüße, Anna

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